Strategie
Website-Relaunch: Wann er sich lohnt — und wie er nicht teurer wird als geplant.
Veröffentlicht 19. April 2026 · 9 Min. Lesezeit
Ein Relaunch ist keine kosmetische Übung. Er bedeutet, eine Website strukturell, technisch oder inhaltlich neu aufzusetzen — oft alles drei gleichzeitig. Viele Projekte scheitern nicht am Design, sondern daran, dass vorher niemand ehrlich geprüft hat, ob ein Relaunch überhaupt das richtige Mittel ist. Dieser Leitfaden hilft dir, die Entscheidung zu treffen und das Projekt sauber durchzuführen.
Die fünf echten Gründe für einen Relaunch
Nicht jedes Unbehagen mit der alten Seite rechtfertigt einen Relaunch. Klare Auslöser sind:
- Technische Grundlage veraltet. Altes CMS ohne Updates, PHP 5, unbetreute Plugins, keine HTTPS-Kompatibilität. Das ist ein Sicherheitsthema.
- Mobile Performance unrettbar. Wenn die Seite auf dem Handy länger als drei Sekunden lädt und das trotz Optimierung nicht unter zwei Sekunden zu bringen ist, steckt das Problem oft im Fundament. Dazu mehr im Artikel zu Core Web Vitals.
- Geschäftsmodell hat sich geändert. Die Seite zeigt Leistungen, die es gar nicht mehr gibt, oder fehlt neue Kernbereiche komplett. Patchen reicht nicht.
- Struktur wuchert unkontrolliert. 80 Unterseiten, von denen 50 niemand besucht, und die Hauptleistungen sind vier Klicks tief versteckt.
- Rechtliche Pflichten unerfüllbar. BFSG-Barrierefreiheit oder DSGVO lassen sich auf der alten Architektur nicht sauber umsetzen.
Wann ein Relaunch die falsche Antwort ist
Mindestens so oft wie nötig ist ein Relaunch überflüssig. Klare Gegenzeichen:
- „Mir gefällt die Optik nicht mehr." — Ein Redesign (ohne strukturellen Umbau) reicht meist. Kostet einen Bruchteil.
- „Die Texte sind alt." — Content-Update. Keine technische Operation.
- „Wir ranken nicht mehr." — Meist kein Relaunch-Problem, sondern ein SEO-Problem. Ranken nach Relaunch oft noch schlechter, wenn nicht sauber migriert wird.
- „Der Wettbewerber hat gerade relauncht." — Kein Grund. Deine Kunden wissen nicht, wie alt eure Website ist — sie merken nur, ob sie funktioniert.
Als Faustregel: Wenn die alte Seite technisch sauber, mobil schnell und inhaltlich korrekt ist, beginne mit einem Redesign plus Content-Update. Das geht in 4 bis 6 Wochen und kostet 30 bis 50 Prozent eines Full-Relaunchs.
Die vier Phasen eines ehrlichen Relaunchs
Phase 1: Analyse und Ziele
Bevor irgendwer designt: Was soll die neue Seite besser können als die alte? Konkret in Zahlen. „Mehr Anfragen" ist kein Ziel. „50 Prozent mehr qualifizierte Kontaktanfragen pro Monat" ist eins. Analyseschritte:
- Welche Seiten ranken heute auf Google? (Search Console)
- Welche Seiten bringen echte Anfragen? (Analytics + Lead-Tracking)
- Welche Seiten sind Karteileichen?
- Wo bricht der Besucher ab? (Absprungraten, Scroll-Tiefen)
Diese Daten bestimmen, was mitgenommen wird, was neu gebaut wird und was ersatzlos verschwindet.
Phase 2: Struktur und Content
Die neue Seitenstruktur wird definiert, bevor das Design beginnt. Jede neue URL wird einer alten URL zugeordnet (oder bewusst neu). Das ist die Grundlage für die Weiterleitungen in Phase 4. Gleichzeitig werden Texte geschrieben oder überarbeitet — der unterschätzte Zeitfresser jedes Relaunchs. Ohne finalen Text gibt es kein finales Design.
Phase 3: Design und Umsetzung
Erst hier beginnt das, was die meisten fälschlich als „der Relaunch" bezeichnen. Design, technische Umsetzung, Integration von Analytics, Cookie-Banner, Formularen. Typische Dauer: 4 bis 8 Wochen.
Phase 4: Migration und Go-Live
Der kritischste Teil, oft unterschätzt. Hier entscheidet sich, ob deine Google-Rankings den Relaunch überleben.
Das SEO-Risiko — und wie du es vermeidest
Wir sehen regelmäßig Relaunches, bei denen der Traffic im ersten Monat nach Go-Live um 30 bis 70 Prozent einbricht. Die gemeinsame Ursache: die alten URLs werden nicht sauber auf die neuen weitergeleitet. Google verliert den Kontext, wertet die neue Seite als neue Domain und vergibt die Autorität von vorn.
Die Pflichtmaßnahmen für die Migration:
- Weiterleitungs-Mapping (301-Redirects) von jeder alten URL auf die passende neue. Nicht pauschal auf die Startseite — das ist der häufigste Fehler.
- Keine Content-Löschung ohne Ersatz. Wenn eine alte Seite Rankings hatte, muss ihr Inhalt irgendwo im neuen System bleiben — und die alte URL muss darauf zeigen.
- Aktualisierte sitemap.xml und Eintragung bei Google Search Console.
- Interne Verlinkung neu aufbauen. Links zwischen Seiten erzeugen SEO-Kontext — wenn die neue Seite flach verlinkt ist, verliert sie Autorität.
- Monitoring der ersten 6 bis 8 Wochen. Search Console täglich, Rankings wöchentlich. Sofort nachbessern, wenn einzelne URLs einbrechen.
Ein korrekt migrierter Relaunch liegt nach 4 bis 8 Wochen wieder auf dem alten Traffic-Niveau — oder darüber, wenn die neue Seite inhaltlich und technisch besser ist.
Typische Budgets
- Kleines Relaunch-Projekt (10–15 Seiten, überarbeitete Texte, neues Design, saubere Migration): 3.500–8.000 Euro.
- Mittleres Projekt (20–40 Seiten, teilweise neue Bereiche, neue Struktur): 8.000–20.000 Euro.
- Großes Projekt (mehrsprachig, individuelle Tools, komplexe Integrationen, strategische Beratung): 20.000 Euro aufwärts.
Laufende Kosten kommen dazu: Hosting 10–50 €/Monat, Wartung 30–150 €/Monat, Content-Pflege nach Bedarf. Einen Relaunch ohne mitgeplante Folgekosten zu budgetieren ist einer der häufigsten Planungsfehler.
Die Entscheidungs-Checkliste
Sechs Fragen. Drei oder mehr „Ja" = Relaunch-Kandidat.
- Ist die Seite technisch älter als 5 Jahre oder läuft auf unbetreutem CMS?
- Liegt die mobile Ladezeit trotz Optimierung über 3 Sekunden?
- Hast du mehr als ein Drittel Seiten ohne Traffic und ohne Zweck?
- Werden neue Leistungen / Produkte auf der Seite gar nicht sichtbar?
- Sind rechtliche Anforderungen (DSGVO, BFSG) nicht umsetzbar?
- Schämst du dich, neue Kunden auf die Seite zu schicken?
Wenn du ein- oder zweimal Ja sagst, reicht meist ein Redesign oder Content-Update. Drei oder mehr — Relaunch.
Ein letzter Hinweis
Der häufigste Fehler bei Relaunches ist, sie zu früh zu starten und zu spät zu beenden. Zu früh heißt: ohne klares Ziel und ohne ehrlichen Blick auf die alte Seite. Zu spät heißt: ohne klare Migration, mit verlorenen Rankings, mit halbem Content. Wer die vier Phasen diszipliniert durchläuft und die Migration ernst nimmt, hat am Ende eine Seite, die drei Jahre hält — und nicht in 18 Monaten wieder „mal neu" werden muss.
Mehr zu typischen Preisen für Websites findest du im Kosten-Artikel 2026, und wer einen Partner sucht, liest unseren Auswahl-Leitfaden.